Im Alter von 82 Jahren ist gestern der Tübinger Neutestamentler Martin Hengel gestorben. Seine bekannteste Arbeit ist das bahnbrechende Buch „Judentum und Hellenismus„, in dem er weitgehende Einflüsse des griechischen Denkens auf das jüdische schon für die Zeit Jesu nachgewiesen hat. Damit wurde die seit Adolf von Harnack stark wirkende Vorstellung, das „eigentlich jüdische“ Christentum sei durch die griechische Kultur verdorben worden, nachhaltig erschüttert. Hengel war einer der wirklich weltweit bekannten Tübinger Theologen.
Martin Hengel gestorben
Juli 3, 2009 von Alex
Veröffentlicht in Theologie NT | 2 Kommentare
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Hier bloggt Alex Kupsch: 29 Jahre, Germanist und Theologe, verheiratet mit Christine, wohnt in Tübingen.
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Das „wirklich“ im letzten Satz bringt ein Lächeln auf meine Lippen – realy :)
Hast Du das Buch gelesen? Und wenn ja, ist es empfehlenswert? Oder hält man sich lieber an die Hengel’schen Schlussfolgerungen?
Hab mich neulich auch erstaunt, dass das Bild vom „Leib“, das Paulus in 1.Korinther 12 bemüht, schon Platon und auch Aristoteles verwendet haben, um das Zusammenleben einer Gesellschaft bildhaft zu beschreiben. (Nun, aber Paulus war ja auch Grieche…)
Nein, das Buch habe ich nicht gelesen. Es gehört zur Sorte „gelehrt und unhandlich“, mit über 600 Seiten und x-tillionen Fußnoten und Belegen. Nix fürn Nachttisch…
Ich habe mich aber nochmal umgesehen: Hier gibt’s einen ausführlicheren Nachruf auf Englisch: http://tinyurl.com/m6evoo
Daraus habe ich mal den Teil ausgeschnitten, der die zentrale These Hengels wiedergibt (s.u.).
Zudem ist mir bei google noch ein Thesenpapier begegnet, das zeigt, was diese „Entdeckung“ für die Debatten um Jesu „Göttlichkeit“ bedeuten können (Achtung .pdf):
http://tinyurl.com/mfndtj
„…although his major achievement was undoubtedly the overcoming of the dichotomy promoted most prominently by Rudolf Bultmann and his followers between a separated Palestinian and a Hellenistic Christian community, with the latter being responsible for a mythologizing high Christology. The religio-historical construct of Hellenistic syncretism forming over that of the originally “simple” gospel of Jesus was refuted by Hengel from many directions, and the influence and legacy of Bultmann during his formative years of study remained a decisive point of departure throughout his own work.The later development of Christology, if one follows in Hengel’s footsteps, proves to be not a heathenizing or mythologizing of Jesus but rather a proper explication of what Jesus was, did, and wanted. Two elements are therefore crucial throughout his work: the messianic claim of the earthly Jesus against any attempts to start with an “unmessianic Jesus”; and, perhaps even more provocative, the notion that Christianity emerged completely from within Judaism.“