[Der Theologe] muß die menschliche Endlichkeit, die auch seine eigene Endlichkeit ist, übernehmen, und er muß die Angst der Endlichkeit so in sich hineinnehmen, als ob er niemals die Offenbarungsantwort ‘Ewigkeit’ erhalten hätte. Er muß die menschliche Entfremdung, die auch seine eigene Entfremdung ist, übernehmen, und er muß die Angst der Schuld wieder durchleben, als ob er niemals die Offenbarungsantwort ‘Vergebung’ erhalten hätte. Der Theologe darf nicht bei der theologischen Antwort, die er verkündet, verharren. Er kann sie in überzeugender Weise nur geben, wenn er mit seinem ganzen Sein in der Situation der menschlichen Frage steht.“ (P. Tillich, Systematische Theologie, Band II, 21f.)
Was auch immer man mit „emerging“ und der emergenten Diskussion verbinden mag – für mich hat sie viel mit dem zu tun, was ich im Anschluss an dieses Tillich-Zitat das „Ethos der Frage“ nennen würde. Die Bereitschaft – wenn nicht Verpflichtung – sich ganz und ernsthaft auf die Frage einzulassen, ohne die Antwort schon immer gleich zu wissen. Das ist, so ahne ich langsam, mehr als eine schicke Einstellung. Das ist Arbeit und Wagnis, Beunruhigung und Risiko.
(Dieses Fragen allerdings – so würde ich festhalten, auch wenn das in emergenten Kreisen weniger laut gesagt wird – steht in der manchmal nur unsicher wahrnehmbaren Gegenwart und Zusage dessen, der „in alle Wahrheit führt“. Von dieser Gegenwart her fragen wir, und sie bleibt das Ziel. Wie Luther so schön sagt: Spiritus sanctus non est Scepticus! Aber das ist nochmal ein eigenes Thema…)
P.S.: Hier dazu das Bild einer verblüffend passenden und eigentlich wirklich schönen Kunstinstallation in einer Pariser Kirche: Robert Stadler’s question mark installation in Paris



…das Zitat berührt auch diverse praktische Schwierigkeiten, finde ich: Wie am Ostermorgen von Auferstehung reden, als ob dieses Ereignis nicht schon unser gesamtes Reden und Handeln als Christen berührt? Wie Vergebung genießen, wo wir doch immer irgendwie um sie wissen? Wie sich mit ganzem Herzen für die Welt einsetzen, wo sie doch eh irgendwann vergeht?