Die ZEIT stellt in ihrer neuesten Ausgabe (passend zu Ostern) das neue Buch des Papstes “Jesus von Nazareth” vor, mit Hinweis auf der Titelseite. Freue mich riesig, dass Theologie in diesem Sinne wieder ernst genommen wird. Da kann man wirklich mal stolz sein auf unseren deutschen Papst. Auch als “eingepropfter” Freikirchler. :)
Zum Buch: Die ZEIT bringt den Vorabdruck eines Kapitels, das zwei Geschichten der Evangelien auslegt, das Gleichnis vom verlorenen Sohn und die Erweckung des Lazarus. Erst dachte ich ja: Och nö, nich schon wieder verlorener Sohn… Aber was Ratzinger (keine Respektlosigkeit meinerseits, das Buch erscheint unter dem ‘alten’ und dem ‘neuen’ Namen) hier schreibt, war dann doch erfrischend neu für mich:
1) Mit einigen Interpretatoren fragt er sich, ob der nachträglich eingefügte Titel “Vom verlorenen Sohn” der bestmögliche ist. Seines Erachtens träfe der Titel “Von den beiden Söhnen” den Kern besser. Faszinierend, wie schon ein neuer Titel ein ganz neues Licht auf so ein Gleichnis wirft…
2) Er macht sich Gedanken darüber, dass im bekanntesten Gleichnis über Gnade, Christus als Weg zum Vater ja gar nicht vorkommt. Knapp gesagt: Fehlt dem Gleichnis die Christologie? Die Antwort ist sehr intelligent und legt sowohl das Gleichnis als auch Jesus in sehr tiefer Weise aus; wird hier aber nicht verraten. :)
Fazit: “Jesus von Nazareth” bei amazon.de vorbestellen, erscheint am 16. April. Und sich über den Papst freuen.
Benedikt XVI: Jesus von Nazareth
April 5, 2007 von Alex



zu 1) Guter Hinweis. Wenn man sich das Gleichnis im Zusammenhang von Lk 15 anschaut, könnte man darüber hinaus auch auf die Idee kommen, das Gleichnis “Vom völlig verückt liebenden Vater” oder so zu nennen, da es in allen drei Gleichnissen vornehmlich um die Sorge des Suchenden geht – Hirte, Frau und Vater. Im Fokus ist gar nicht so sehr das Verhalten des Verlorenen (wie auch z.B. bei der Münze), sondern eher die Liebe des Suchenden, bzw. im Falle des Vaters, des Wartenden.
Guter Punkt. Papst Benedikt zitiert den Vorschlag “Gleichnis vom gütigen Vater” auch. Warum er sich für die “zwei Brüder” als Kern entscheidet kann man sogar online nachlesen, der Artikel aus der ZEIT findet sich hier: Der wahre Jesus
Zwar habe ich von Razinger alias Beniedigt nie ein ganzes Buch gelesen, sondern nur einige Artikel oder Predigten, trotzdem bin auch ich sehr gespannt auf dieses Buch. Zum einen, weil es wegen seine neuen Status im Verleich zu seiner früheren Literatur wohl eine viel größere Leserschaft haben wird. Zum anderen, weil einer meiner Lieblingsdozenten schon vor Jahren Razingers Literatur sehr gelobt hat, gerade im Vergleich zu der Schriften Johannes Pauls II.
Hi Alex,
habe auch mit großer Freude als alter Ratzinger-Fan den Vorabdruck in der Zeit gelesen und wieder einmal festgestellt, dass der wahrscheinlich größte Theologe unserer Zeit die fantastische Gottesgabe hat, geistliche Wahrheiten nahezu ultimativ auf den Punkt zu bringen und sie gleichzeitig in der Tiefe auszuloten. Deutschland, ein Ostermärchen!
Kleine Korrektur nur: Teil 2 beschäftigt sich in erster Linie mit dem Gleichnis vom reichen Mann und dem armen Lazarus in Lk 16, 19 und nur beiläufig auch mit der Auferweckung des “anderen” Lazarus. Zentrale Passage:
“Das Zeichen Gottes für die Menschen ist der Menschensohn, ist Jesus selbst. Und er ist es zutiefst in seinem Pascha-Mysterium, im Geheimnis von Tod und Auferstehung. Er selbst ist »das Zeichen des Jona«. Er, der Gekreuzigte und Auferstandene, ist der wahre Lazarus: Ihm, diesem großen Gotteszeichen, zu glauben und zu folgen, lädt das Gleichnis uns ein, das mehr ist als ein Gleichnis. Es spricht von Wirklichkeit, von der entscheidenden Wirklichkeit der Geschichte überhaupt.”
Genau so ist es, Mädels, würde Jochen Distelmeyer singen, wenn er endlich Christ würde…
Hey Jungs,
ihr seid was Seltenes: Ihr seid jung, in der Welt – und dennoch christlich im Sinne einer Weltabgewandheit (vgl. das Dsietlmeyerzitat). Dieses Zusammen gibt es selten genug!!!
Noch etwas: Dass es “in allen drei Gleichnissen vornehmlich um die Sorge des Suchenden geht” drückt Knut Wenzel in einem Aufsatz zu dem Glecihnis schön aus: Der Offenbarer tritt hier ganz hinter der Offenbarung zurück – und ist auf diese Weise ganz im Text präsent (247f):
http://www.kaththeol.uni-frankfurt.de/funda_dogmatik/PDFs/Wenzel_-_Benedikt_Jesus.pdf.
Bleibt sauber, Jungs
Markus
Ich meinte: christlich nicht (!) im Sinne einer Weltabgewandheit
Noch was: der Link zu dem Aufsatz hapert; versucht diesen:
http://66.102.9.104/search?q=cache:66iixSu5h6MJ:www.kaththeol.uni-frankfurt.de/funda_dogmatik/PDFs/Wenzel_-_Benedikt_Jesus.pdf+knut+wenzel+benedikt+gleichnis&hl=de&ct=clnk&cd=1&gl=de
Vielen Dank für den Tipp, Markus. Unser Diestelmeyer-Experte Thorsten hat übrigens inzwischen seinen eigenen Blog, wenn du auch mal bei ihm vorbeischaun magst:
http://wessnet.wordpress.com/
Viele Grüße!