Wenn ich schon beim Thema “Paradigmenwechsel” bin: Das Zeitalter der Postmoderne ist ja, so liest man, das Zeitalter der Auflösung starrer Gegensatzpaare. Seltsam genug, dass mir in keinem Genre von Büchern bisher so viele Gegenüberstellungen begegnet sind, wie in der Literatur über emerging church und postmodernen Gemeindebau. Aber es ist ja auch wichtig, deutlich zu werden, damit man versteht, wo die Veränderungen liegen. Deshalb hier mal meine Gegenüberstellung, die ich schon vor einiger Zeit erarbeitet habe:
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Modern |
Postmodern |
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Pastor als Chef |
Pastor als Freund |
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Gemeinde als Organisation |
Gemeinde als Organismus |
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Predigt als Belehrung |
Predigt als Einladung ins Abenteuer |
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Gottesdienste nur frontal |
Alle machen mit plus es ist toll |
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Nicht jeder hat Freunde |
Jeder hat voll viel Freunde |
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Man muss Tee trinken |
Man darf Cappuccino trinken |
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Nich’ so lieb |
Voll lieb |
Ich hoffe das ist jetzt nicht zu, äh, undifferenziert?



haha, sehr nice.
die sache mit den gegenüberstellungen finde ich auch immer besonders amüsant.
Wo bleibt der Eintrag mit dem Betriebssystem ;o)
Auf die Gefahr, dass ich die Ironie übersehen habe, aber das Thema ist es allemal wert: Bei der Sache mit “Pastor als Freund” zucke ich immer zusammen. Da entsteht schnell so eine Art Intimitätsdruck. Eine andere Bezeichnung fände ich sinnvoller, weil sie unrealistische Erwartungen dämpft: Ich kann, muss und werde nicht jedermanns Freund sein, zumindest wenn man das nicht im oberflächlichen Sinn meint. Umgekehrt ist tiefe Sympathie für mich als Person keine Bedingung, um zur Gemeinde zu gehören.
Dasselbe Dilemma birgt das Stichwort “voll viele Freunde”. Es gibt m.E. Menschen, die sich damit total überfordern würden, weil sie nicht der “viele-Freunde-Typ” sind und für andere spröde oder schwer zugänglich sind (oder – darf man das sagen? – auch unglaublich nervig sein können).
Da stimme ich voll zu – genau so war die Tabelle gedacht: Zu zeigen, dass auch “emerging” Gemeinde eben Gemeinde ist und kein milchschaumgekröntes Paradies. Die Gegenüberstellung ist von der ersten bis zur letzten Zeile durchaus ironisch gemeint. ;)
Dein Kommentar drückt außerdem genau das aus, womit wir uns in der CityChurch kürzlich an Hand von Bonhoeffers “Gemeinsames Leben” beschäftigt haben: Was ist die Grundlage christlicher Gemeinschaft? Freundschaft, Sympathie, oder, um einen beliebten Sehnsuchtsbegriff zu nennen: intensive Gemeischaft? Bonhoeffers Antwort sieht da anders aus…
[...] deutlich gemacht, dass ich kein besonderer Fan von solchen Gegenüberstellungen bin (siehe Post “Moderne vs. Postmoderne”). Für einen ersten Zugriff auf das Thema finde ich es aber nach wie vor hilfreich; solange man [...]